Von Skepsis zu Optimismus: Was ich während meiner Bachelorarbeit über KI gelernt habe

Als ich mich für das Thema meiner Bachelorarbeit entschied, hatte ich zunächst vor allem eine fachliche Fragestellung im Kopf. Künstliche Intelligenz war und ist eines der meistdiskutierten Themen unserer Zeit. Neue Technologien entstehen beinahe täglich, Softwarehersteller integrieren KI Funktionen in ihre Produkte und vielerorts entsteht der Eindruck, dass Unternehmen nur noch den richtigen Knopf drücken müssen, um von den Vorteilen zu profitieren.

Meine Bachelorarbeit mit dem Titel „KI gestützte Prozessoptimierung in ERP Systemen der Brauereiindustrie: Status quo und Entwicklungspotenziale“ sollte genau dieser Frage nachgehen: Welche Potenziale bietet Künstliche Intelligenz innerhalb moderner ERP Systeme und wie weit sind Unternehmen auf diesem Weg bereits? Je tiefer ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto häufiger wurde mir bewusst, dass die spannendsten Erkenntnisse oft dort entstehen, wo Theorie und Praxis aufeinandertreffen. Und genau deshalb blicke ich heute deutlich optimistischer auf das Thema KI als noch zu Beginn meiner Arbeit.

Die eigentliche Frage war: Was passiert wirklich in den Unternehmen?

Wer sich mit KI beschäftigt, stößt sehr schnell auf beeindruckende Beispiele. Vollautomatische Prozesse, intelligente Assistenten und Systeme, die scheinbar eigenständig Entscheidungen treffen. Mich hat jedoch weniger interessiert, was theoretisch möglich ist. Viel spannender fand ich die Frage, was tatsächlich in Unternehmen passiert. Deshalb habe ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit Verantwortlichen verschiedener Brauereien ausgetauscht und untersucht, wie die aktuelle ERP Landschaft aussieht, welche Rolle Digitalisierung bereits spielt und wo die Unternehmen konkrete Potenziale für den Einsatz von KI sehen. Die Brauereiindustrie ist dabei ein besonders interessantes Umfeld. Einerseits handelt es sich um eine traditionsreiche Branche mit komplexen Produktionsprozessen. Andererseits stehen die Unternehmen vor denselben Herausforderungen wie viele andere mittelständische Betriebe: steigende Anforderungen, Fachkräftemangel, zunehmender Wettbewerbsdruck und der Wunsch, vorhandene Daten besser zu nutzen. Genau deshalb war ich gespannt, welche Antworten ich erhalten würde.

Die spannendste Erkenntnis war nicht die Technologie

Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich erwartet, dass sich die Gespräche vor allem um technische Möglichkeiten drehen würden. Welche KI Modelle sind besonders interessant? Welche Prozesse lassen sich automatisieren? Welche technologischen Grenzen gibt es heute noch? Natürlich wurden auch diese Themen diskutiert. Viel häufiger sprachen die Interviewpartner allerdings über etwas anderes.

  • Über Daten.
  • Über Prozesse.
  • Über Transparenz.

Und überraschend oft auch über die Menschen, die täglich mit diesen Systemen arbeiten. Je mehr Interviews ich führte, desto deutlicher wurde, dass die Unternehmen die Potenziale von KI durchaus erkennen. Gleichzeitig war den Verantwortlichen sehr bewusst, dass Technologie allein keine Probleme löst. Viel wichtiger ist die Frage, wie sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Diese Einschätzung fand ich bemerkenswert. Denn sie zeigt, dass viele Unternehmen das Thema deutlich pragmatischer betrachten, als man es angesichts des aktuellen Hypes manchmal vermuten würde.

KI ist längst angekommen – nur anders als viele denken

Wenn über KI gesprochen wird, denken viele Menschen sofort an vollständig automatisierte Prozesse oder Systeme, die eigenständig Entscheidungen treffen. In den Gesprächen mit den Experten spielte genau das jedoch eine deutlich kleinere Rolle. Stattdessen wurde KI häufig als Werkzeug betrachtet, das Menschen unterstützt. Informationen schneller finden. Zusammenhänge erkennen. Datenqualität verbessern. Fehler frühzeitig identifizieren. Mitarbeiter entlasten. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto nachvollziehbarer wurde dieser Blickwinkel für mich. Denn genau dort entsteht häufig der größte Nutzen. Nicht durch spektakuläre Zukunftsszenarien, sondern durch viele kleine Verbesserungen im Arbeitsalltag. Wenn ein Mitarbeiter Informationen schneller findet, spart das Zeit. Wenn Stammdaten automatisch geprüft werden, entstehen weniger Fehler. Wenn Zusammenhänge früher sichtbar werden, können bessere Entscheidungen getroffen werden. Das klingt vielleicht weniger spektakulär als die Vorstellung einer vollständig autonomen Produktionssteuerung. Für Unternehmen kann es jedoch einen deutlich größeren Nutzen haben. Man könnte auch sagen: Nicht jede Innovation muss gleich die Welt verändern. Manchmal reicht es schon, wenn sie den Montagmorgen ein wenig angenehmer macht.

Warum moderne ERP Systeme dabei eine Schlüsselrolle spielen

Während meiner Interviews wurde außerdem deutlich, wie wichtig moderne ERP Systeme für diese Entwicklung sind. Viele Unternehmen befinden sich aktuell in einer Phase der Modernisierung. Altsysteme werden abgelöst, Prozesse standardisiert und Daten zentral verfügbar gemacht. Ein Interviewpartner berichtete beispielsweise von der geplanten Migration von Microsoft Navision 2009 auf Microsoft Dynamics 365 Business Central SaaS. Für viele Unternehmen sind solche Projekte zunächst einmal klassische ERP Vorhaben. Während meiner Recherche wurde mir jedoch klar, dass sie gleichzeitig die Grundlage für viele zukünftige KI Anwendungsfälle schaffen. Denn je besser Daten strukturiert, verfügbar und miteinander verknüpft sind, desto größer werden die Möglichkeiten, diese Informationen später intelligent zu nutzen. Genau deshalb betrachte ich moderne ERP Systeme heute nicht mehr nur als Werkzeuge zur Prozessabbildung. Sie entwickeln sich zunehmend zur zentralen Plattform für datengetriebene Entscheidungen.

Vom Studium über die Entwicklung ins Consulting

Besonders spannend ist für mich, dass ich viele dieser Erkenntnisse mittlerweile auch in meinem Arbeitsalltag wiederfinde. Mein Weg bei OTE begann ursprünglich in der Entwicklung. Dort habe ich gelernt, wie Business Central technisch funktioniert, wie Prozesse umgesetzt werden und welche Herausforderungen entstehen, wenn fachliche Anforderungen in Software übersetzt werden müssen. Diese Zeit hat mir ein sehr gutes technisches Fundament gegeben. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mich nicht nur die technische Umsetzung interessiert, sondern vor allem die Frage, warum Unternehmen bestimmte Anforderungen haben und wie Technologie dabei helfen kann, diese Herausforderungen zu lösen.

Nach dem Abschluss meines Studiums und meiner Bachelorarbeit bin ich deshalb ins Consulting gewechselt und unterstütze heute Kundenprojekte als Consultant und Projektassistenz. Gerade dieser Wechsel hilft mir heute enorm. Viele Diskussionen rund um Digitalisierung, KI oder Automatisierung lassen sich deutlich besser einordnen, wenn man sowohl die technische als auch die fachliche Perspektive kennt.

Warum ich mich besonders auf die nächsten Jahre freue

Während meiner Bachelorarbeit habe ich mich intensiv mit den Potenzialen von KI beschäftigt. Heute darf ich erleben, wie viele dieser Themen Schritt für Schritt in der Praxis ankommen. Besonders spannend finde ich aktuell die Entwicklung von KI Agenten innerhalb der Microsoft Plattform. Noch stehen viele Unternehmen hier am Anfang, aber genau das macht das Thema so interessant.

  • Wie können Agenten Mitarbeiter im Alltag unterstützen?
  • Welche Aufgaben lassen sich sinnvoll delegieren?
  • Wo entsteht echter Mehrwert und wo handelt es sich lediglich um einen kurzfristigen Trend?

Diese Fragen beschäftigen mich aktuell fast täglich. Und ehrlich gesagt macht genau das für mich den Reiz aus. Es geht nicht darum, jede neue Technologie möglichst schnell einzusetzen. Es geht darum, herauszufinden, wo sie Menschen tatsächlich unterstützt und Prozesse verbessert. Viele der Fragestellungen, die ich in meiner Bachelorarbeit untersucht habe, begegnen mir heute bereits in ersten Kundenprojekten wieder. Der Unterschied ist nur: Heute geht es nicht mehr um theoretische Potenziale, sondern um ganz konkrete Anwendungsfälle.

Mein Fazit

Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, hat sich mein Blick auf das Thema KI deutlich verändert. Zu Beginn meiner Bachelorarbeit stand für mich vor allem die Frage im Raum, welche technologischen Möglichkeiten es gibt und wie realistisch die vielen Versprechen tatsächlich sind.

Heute interessiert mich eine andere Frage deutlich mehr: Welche konkreten Probleme können wir mit diesen Technologien lösen?

Die Interviews haben gezeigt, dass viele Unternehmen bereits heute erste Schritte gehen. Nicht immer spektakulär, aber oft sehr sinnvoll und mit klarem Nutzen. Gerade deshalb blicke ich heute optimistischer auf das Thema als zu Beginn meiner Forschung. Nicht weil ich glaube, dass KI alle Herausforderungen lösen wird. Sondern weil ich gesehen habe, wie viele Unternehmen sich bereits auf den Weg gemacht haben und wie groß das Potenzial ist, wenn Technologie, Prozesse und Menschen sinnvoll zusammenspielen.

Die wichtigste Erkenntnis meiner Bachelorarbeit war deshalb am Ende gar nicht technischer Natur. Sie war menschlich. Die Unternehmen, mit denen ich gesprochen habe, warten nicht darauf, dass eine Technologie alle Probleme löst. Sie suchen nach Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter zu unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen und vorhandenes Wissen besser nutzbar zu machen. Genau darin sehe ich die größte Chance von KI. Nicht als Ersatz für Menschen. Sondern als Werkzeug, das Menschen dabei hilft, ihre Arbeit einfacher, effizienter und fundierter zu erledigen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute deutlich optimistischer auf das Thema blicke als noch zu Beginn meiner Bachelorarbeit.

 

Emine Sadiku

Über den Autor

Emine Sadiku

Emine Sadiku 
Consultant & Projektassistenz, OTE GmbH 

Emine Sadiku absolvierte ihr duales Studium der Informatik an der IU Internationalen Hochschule in Kooperation mit der OTE GmbH. Nach mehreren Jahren in der Entwicklung wechselte sie nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Bachelorarbeit ins Consulting und unterstützt heute Kundenprojekte rund um Microsoft Dynamics 365 Business Central. 

Besonders spannend findet sie die Verbindung von Technologie, Prozessen und Menschen. Aktuell beschäftigt sie sich intensiv mit den Möglichkeiten von KI Agenten und deren praktischem Einsatz im Unternehmensalltag.