Skyline von Antwerpen mit abstrakten KI- und Business-Central-Elementen

BC TechDays 2026: Warum sich die Rolle des Entwicklers grundlegend verändert

Die BC TechDays in Antwerpen gehören für mich jedes Jahr zu den Veranstaltungen, auf die ich mich besonders freue. Nicht nur, weil dort Microsoft selbst einen sehr tiefen Einblick in die zukünftige Entwicklung von Business Central gibt, sondern auch, weil sich dort die internationale Entwickler-Community trifft und sehr offen über Chancen, Herausforderungen und manchmal auch über Dinge spricht, die noch nicht ganz rund laufen. In diesem Jahr gab es viele spannende Sessions. Natürlich war Künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Das war wenig überraschend. Überraschend war für mich allerdings, wie deutlich sich ein anderes Thema durch nahezu alle Vorträge gezogen hat: Nicht nur Business Central verändert sich – auch die Rolle des Entwicklers wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern.

Der Entwickler von morgen schreibt weniger Code

Eine der ersten Sessions hat diesen Gedanken sehr schön beschrieben. Der Referent zeigte seinen eigenen Arbeitsplatz. Früher bestand dieser im Wesentlichen aus einer Entwicklungsumgebung und vielleicht noch einem Jira-Board. Heute arbeitet er parallel mit mehreren KI-Agenten, beobachtet deren Ergebnisse und greift nur noch ein, wenn etwas in die falsche Richtung läuft. Ich fand dieses Bild sehr passend. Der Entwickler schreibt natürlich weiterhin Software. Aber er schreibt nicht mehr jede einzelne Zeile selbst. Stattdessen beschreibt er Anforderungen, überprüft Ergebnisse und steuert verschiedene Agenten, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen.

Man könnte sagen: Der Entwickler entwickelt sich immer mehr vom Coder zum Orchestrator. Dieser Gedanke zog sich eigentlich durch nahezu alle Sessions. 

KI ersetzt den Entwickler nicht – sie verändert seine Arbeit

In den letzten Monaten wurde häufig darüber diskutiert, ob KI Entwickler irgendwann ersetzen wird. Nach den TechDays würde ich diese Frage ganz klar mit „Nein“ beantworten. Die spannendere Frage lautet aus meiner Sicht vielmehr: Wie verändert sich die tägliche Arbeit eines Entwicklers? Gerade im Business Central Umfeld wird deutlich, dass technisches Wissen allein schon heute nicht mehr ausreicht. Entwickler müssen Geschäftsprozesse verstehen. Sie müssen nachvollziehen können, warum ein Kunde eine bestimmte Anforderung hat und welche Auswirkungen eine Änderung auf Einkauf, Lager, Produktion oder Finanzbuchhaltung hat. Genau deshalb glaube ich, dass das Prozessverständnis künftig noch wichtiger wird als heute. Den eigentlichen Code kann ein KI-Agent inzwischen erstaunlich gut erzeugen. Die Entscheidung, welcher Code überhaupt entstehen soll, trifft jedoch weiterhin der Mensch.

Agenten sind keine Zauberei – eher sehr gute Kollegen

Ein Begriff, der auf den TechDays in nahezu jeder zweiten Session auftauchte, war Agentic AI. Ich glaube, viele stellen sich darunter etwas sehr Komplexes vor. Eigentlich lässt sich das ganz einfach erklären. Man kann sich einen Agenten wie einen sehr gut ausgebildeten Kollegen vorstellen. Er bekommt eine Aufgabe, arbeitet diese selbstständig ab und liefert ein Ergebnis zurück. Manchmal erledigt er die Aufgabe perfekt. Manchmal braucht er noch eine kleine Korrektur oder zusätzliche Informationen. Genau das macht ein Entwickler künftig ebenfalls. Er beschreibt Aufgaben, überprüft Ergebnisse und gibt den Agenten die notwendigen Informationen mit auf den Weg. Das ist ein völlig anderes Arbeiten als noch vor wenigen Jahren.

Wer tiefer einsteigen möchte: In unserem Beitrag zum Unterschied zwischen KI-Assistenten, Analyse-KI und Agenten erklären wir, warum nicht jede KI dieselbe Aufgabe erfüllt.

MCP war eines der großen Themen

Ein weiteres Schlagwort, das in vielen Vorträgen auftauchte, war MCP (Model Context Protocol). Vereinfacht gesagt sorgt MCP dafür, dass unterschiedliche KI-Systeme einfacher mit Anwendungen kommunizieren können. Statt für jede einzelne Software eine eigene Schnittstelle zu entwickeln, entsteht eine gemeinsame Sprache, über die sich Informationen austauschen lassen. Gerade für Business Central eröffnet das interessante Möglichkeiten. Gleichzeitig wurde aber auch immer wieder betont, dass Sicherheit dabei eine entscheidende Rolle spielt. Ein Agent sollte nur auf die Informationen zugreifen können, die er tatsächlich benötigt. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch freigegeben werden. Auch diese Diskussion fand ich sehr angenehm pragmatisch. Es ging nicht darum, möglichst viel KI einzusetzen, sondern sie sinnvoll und kontrolliert zu nutzen.

Microsoft denkt KI inzwischen konsequent zu Ende

Spannend fand ich auch zu sehen, wie konsequent Microsoft seine gesamte Plattform weiterentwickelt. Copilot, Agenten, Copilot Studio, Logic Apps oder Business Central – die einzelnen Produkte wachsen immer stärker zusammen. Man merkt, dass hier keine einzelnen Funktionen entstehen, sondern ein Gesamtkonzept. Für uns als Business Central Partner bedeutet das, dass KI künftig kein zusätzliches Modul mehr sein wird. Sie wird Schritt für Schritt zu einem selbstverständlichen Bestandteil der täglichen Arbeit. Genau deshalb beschäftigen wir uns bei OTE bereits heute intensiv mit Agenten und sammeln erste praktische Erfahrungen. Denn nur wer die Möglichkeiten selbst ausprobiert, kann später auch Kunden sinnvoll dabei begleiten.

Auch abseits von KI gab es spannende Neuigkeiten

Natürlich bestand die Veranstaltung nicht ausschließlich aus KI. Microsoft hat unter anderem angekündigt, die bisher bekannten RDLC-Reports langfristig durch Word-Reports abzulösen. Außerdem wurden neue Möglichkeiten vorgestellt, Datenmigrationen deutlich flexibler umzusetzen. Dadurch wird es künftig einfacher, Daten auch aus Systemen zu übernehmen, die gar keinen direkten Business Central oder Navision Hintergrund besitzen. Gerade für größere Migrationsprojekte sind das Entwicklungen, die wir mit großem Interesse verfolgen.

Warum ich jedes Jahr gerne nach Antwerpen fahre

Neben den fachlichen Themen ist es vor allem die Atmosphäre, die die BC TechDays für mich besonders macht. Die Veranstaltung ist nach wie vor stark von der Community geprägt. Microsoft ist heute deutlich stärker vertreten als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig bleibt der offene Austausch erhalten. Probleme dürfen angesprochen werden, kritische Fragen sind ausdrücklich erwünscht und viele Sessions leben davon, dass Erfahrungen ehrlich geteilt werden. Auch Antwerpen selbst trägt seinen Teil dazu bei. Im Sommer hat die Stadt ihren ganz eigenen Charme. Nach den Sessions bleibt genügend Zeit, gemeinsam durch die Stadt zu laufen, belgische Waffeln zu essen, das eine oder andere Bier zu probieren und die vielen Gespräche des Tages in entspannter Atmosphäre weiterzuführen.

Genau diese Mischung macht für mich den besonderen Reiz der TechDays aus.

Mein Fazit

Wenn ich die beiden Veranstaltungstage auf einen Gedanken reduzieren müsste, dann wäre es dieser: Die Zukunft gehört nicht dem Entwickler, der den meisten Code schreibt. Sie gehört dem Entwickler, der Probleme am besten versteht. KI wird in den kommenden Jahren einen immer größeren Teil der eigentlichen Programmierarbeit übernehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Entwickler weniger wichtig werden.

Im Gegenteil. Wer Geschäftsprozesse versteht, Anforderungen richtig einordnen kann und weiß, wie Agenten sinnvoll eingesetzt werden, wird künftig eine noch wichtigere Rolle spielen als heute. Und genau deshalb freue ich mich auf die kommenden Jahre. Nicht weil KI alles verändert, sondern weil sie uns die Möglichkeit gibt, uns wieder stärker auf das zu konzentrieren, worum es in Softwareprojekten eigentlich schon immer ging: gute Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.

 

Bok Him Lin

Über den Autor

Bok Him Lin

Bok-Him Lin ist Teil der Geschäftsführung im Bereich Entwicklung der OTE GmbH und seit vielen Jahren eine prägende Kraft im Unternehmen.

Er gehört zu den Menschen, die technische Themen nicht nur verstehen, sondern früh erkennen, wohin sie sich entwickeln. Mit diesem Gespür bringt er immer wieder neue Impulse ein und sorgt dafür, dass wir auch als Unternehmen technologisch am Puls der Zeit bleiben.

Gerade wenn es komplex wird, ist er oft die erste Anlaufstelle – für Entwickler genauso wie für grundlegende Systementscheidungen. Dabei geht es ihm nie nur um die einzelne Lösung, sondern immer um das Zusammenspiel der gesamten Systemlandschaft.

Was ihn auszeichnet, ist die Kombination aus technischem Tiefgang und einem klaren, pragmatischen Blick darauf, was im Alltag wirklich funktioniert.