OTE ist gerade 17 Jahre alt geworden. Bok-Him ist seit 15 Jahren dabei. Wenn ein Mitarbeiter fast die gesamte Geschichte eines Unternehmens miterlebt und mitgestaltet hat, ist das für mich mehr als ein Dienstjubiläum. Es ist auch ein guter Anlass, einmal darüber nachzudenken, welchen Wert langfristige Beziehungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern eigentlich haben.
Als Bok-Him 2011 zu uns kam, war OTE gerade einmal zwei Jahre alt. Wir waren ungefähr sieben Mitarbeiter und saßen noch im RIZ in Radolfzell im Start-up-Bereich. Von der OTE, wie sie heute dasteht, waren wir damals noch ein gutes Stück entfernt. Bok-Him kam über die Empfehlung eines Mitarbeiters zu uns, der bereits früher mit ihm zusammengearbeitet hatte. Gesucht haben wir einen Entwickler und genau dafür haben wir ihn auch eingestellt. Im Rückblick war das allerdings nur ein Teil dessen, was wir bekommen haben.
Wenn es kniffelig wurde, war Bok-Him meistens nicht weit
Relativ früh ist mir bei Bok-Him etwas aufgefallen, das sich durch die folgenden 15 Jahre ziehen sollte. Natürlich konnte er entwickeln. Viel wichtiger war aber sein Wille, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen und technische Entwicklungen frühzeitig bei uns voranzutreiben. Wenn irgendwo etwas Neues auftauchte, musste man Bok-Him selten dazu überreden, sich damit zu beschäftigen. Eher war es umgekehrt. Ein gutes Beispiel waren unsere ersten Anbindungen zwischen Navision und SAP. Solche Schnittstellen klingen heute vielleicht nicht mehr besonders exotisch. Damals waren das für uns neue Themen und vor allem Aufgaben, bei denen es eben nicht damit getan war, eine klar definierte Anforderung herunterzuprogrammieren. Man musste verstehen, wie die Systeme auf beiden Seiten funktionieren, warum Daten nicht so ankamen, wie man es erwartet hatte, und wie man einen Prozess trotzdem zuverlässig zum Laufen bekommt. Immer wenn es kniffelig wurde und die Lösung irgendwo außerhalb des Tellerrands des reinen Programmierens lag, war Bok-Him meistens in seinem Element. Das ist bis heute so geblieben.
15 Jahre sind in unserer Branche eine sehr lange Zeit
Wenn ich mir überlege, wie wir 2011 ERP-Systeme gebaut und betrieben haben und wie wir heute arbeiten, liegen da eigentlich mehrere technologische Generationen dazwischen. Damals war Navision beziehungsweise Dynamics NAV unsere Welt. Vieles wurde individuell entwickelt, Systeme liefen beim Kunden, Schnittstellen waren klassische Entwicklungsprojekte und bei einem Versionswechsel wusste jeder Beteiligte, dass jetzt etwas Arbeit auf ihn zukommt. Heute sprechen wir über Business Central in der Cloud, Apps, APIs, automatisierte Deployments und inzwischen ganz selbstverständlich über KI und Agents. OTE hat sich in dieser Zeit ebenfalls ziemlich verändert. Aus sieben Mitarbeitern im Start-up-Bereich des RIZ ist ein Unternehmen mit rund 30 Menschen geworden. Unsere Projekte sind größer geworden, wir haben eigene Lösungen und Apps entwickelt und beschäftigen uns heute mit technischen Fragen, von denen wir 2011 vermutlich noch nicht einmal gewusst hätten, wie wir sie formulieren sollen. Bok-Hims Rolle ist diesen Weg mitgegangen.
Aus dem Entwickler von damals wurde nicht einfach irgendwann ein Entwickler mit einem anderen Titel. Seine Verantwortung ist mit den Aufgaben gewachsen. Heute gehört Bok-Him zu unserer Geschäftsleitung und verantwortet bei OTE die Bereiche Entwicklung und IT-Administration. Wenn ich darüber nachdenke, ist das eigentlich genau die Art von Entwicklung, die ich mir bei einer langen Zusammenarbeit wünsche. Nicht 15 Jahre dasselbe machen. Sondern sich 15 Jahre gemeinsam verändern.
Lange Betriebszugehörigkeit allein ist noch kein Wert
Gerade deshalb tue ich mich ein bisschen schwer mit dem Begriff Mitarbeiterbindung. Ein Mitarbeiter ist schließlich kein Mobilfunkkunde, den man möglichst lange im Vertrag halten möchte. Auch 15 Jahre Betriebszugehörigkeit sind für sich genommen noch keine besondere Leistung. Wenn jemand 15 Jahre lang denselben Job macht, während sich weder der Mitarbeiter noch das Unternehmen weiterentwickeln, ist mit der langen Betriebszugehörigkeit allein noch nicht viel gewonnen. Interessant wird es für mich dort, wo beide Seiten miteinander wachsen. Menschen verändern sich. Ihre Fähigkeiten verändern sich, ihre Interessen und meistens auch ihre Erwartungen an ihre Arbeit. Ein Unternehmen verändert sich ebenfalls. Zumindest sollte es das. Wenn beides zusammenpasst, kann daraus etwas entstehen, das man nur schwer ersetzen kann.
Dieses Wissen steht in keiner Datenbank
Wir beschäftigen uns gerade sehr viel mit KI, Agents und der Frage, wie wir Wissen in Unternehmen besser verfügbar machen können. Wir dokumentieren Prozesse, schreiben Tickets, bauen Wissensdatenbanken und versuchen, Informationen unabhängig von einzelnen Personen zu machen. Das ist alles richtig. Trotzdem gibt es Wissen, das sich nur schwer dokumentieren lässt. Bok-Him kennt nicht nur unseren heutigen Programmcode und unsere aktuelle technische Architektur. Er weiß bei vielen Dingen auch, warum sie überhaupt so entstanden sind. Er hat Technologien kommen und teilweise auch wieder gehen sehen. Er kennt viele unserer Kunden und ihre Entwicklung. Er kennt Entscheidungen, die wir vor zehn Jahren getroffen haben, und häufig auch noch den Grund dafür. Und er kennt OTE aus einer Zeit, in der wir mit sieben Leuten im RIZ saßen. Dieses Wissen lässt sich nicht mit einem Onboarding in vier Wochen übertragen.
Und dabei geht es nicht nur um Fachwissen. Wenn Menschen 15 Jahre miteinander arbeiten, kennt man irgendwann auch den anderen. Man weiß, wo seine Stärken liegen, bei welchen Themen man besser noch einmal diskutiert und wann man ihm einfach den notwendigen Freiraum geben sollte. Natürlich waren wir in 15 Jahren nicht immer einer Meinung. Das wäre wahrscheinlich sogar eher ein schlechtes Zeichen. Aber man entwickelt etwas, das sich deutlich schwieriger aufbauen lässt als eine technische Qualifikation: Vertrauen.
Vielleicht reden wir zu wenig über den Wert solcher Beziehungen
Als Unternehmer schaut man zwangsläufig auf Zahlen. Umsatz, Wachstum, Auslastung, neue Kunden, Mitarbeiterzahl. Gerade wenn ein Unternehmen wächst, beschäftigt man sich außerdem sehr viel damit, neue Menschen zu finden. Dabei gerät manchmal aus dem Blick, welchen Wert diejenigen haben, die einen großen Teil dieses Weges bereits mitgegangen sind. OTE ist gerade 17 Jahre alt geworden. Bok-Him ist seit 15 Jahren dabei. Diese beiden Zahlen einmal nebeneinanderzuschreiben, hat selbst mich kurz nachdenklich gemacht.
Denn damit ist Bok-Hims Geschichte eben auch ein ziemlich großer Teil unserer Unternehmensgeschichte. Er hat OTE nicht als fertiges Unternehmen kennengelernt. Und ich glaube, das ist ein wichtiger Unterschied. Vieles von dem, was OTE heute ist, ist in diesen Jahren erst entstanden. Menschen wie Bok-Him haben diese Entwicklung nicht nur miterlebt, sondern mit ihren Ideen, Entscheidungen und manchmal sicherlich auch mit ihrem Widerspruch geprägt.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Wert einer langfristigen Mitarbeiterbeziehung.
Loyalität bedeutet für mich nicht, dass jemand 15 Jahre bleibt. Entscheidend ist, dass man sich 15 Jahre miteinander verändern kann.
15 von 17 Jahren
Als Bok-Him 2011 über die Empfehlung eines Kollegen zu uns kam, wollte ich einen guten Entwickler einstellen. Dass er 15 Jahre später mit mir in der Geschäftsleitung sitzen und die Verantwortung für unsere Entwicklung und IT-Administration tragen würde, hatte ich damals sicherlich nicht geplant. Vermutlich hatte Bok-Him das genauso wenig geplant. Und vielleicht ist genau das das Schöne daran. Nicht jede Entwicklung im Berufsleben braucht von Anfang an einen Karriereplan. Manchmal entsteht sie daraus, dass jemand Verantwortung übernimmt, neugierig bleibt, sich immer wieder an die kniffeligen Themen setzt und ein Unternehmen ihm den Raum gibt, daran zu wachsen.
Nach 15 gemeinsamen Jahren darf man dann natürlich auch einmal Danke sagen. Danke, Bok-Him, für 15 Jahre OTE, für sehr viele gelöste Probleme und wahrscheinlich auch für einige, die du überhaupt erst entdeckt hast. OTE ist jetzt 17.
Mal sehen, worüber wir beide schreiben, wenn sie 25 wird.




