{"id":3000,"date":"2026-04-08T13:25:54","date_gmt":"2026-04-08T11:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ote.de\/?p=3000"},"modified":"2026-04-17T11:23:18","modified_gmt":"2026-04-17T09:23:18","slug":"digitalisierungsfehler-food-einzelhandel_grosshandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ote.de\/de\/insights\/digitalisierungsfehler-food-einzelhandel_grosshandel\/","title":{"rendered":"Typische Digitalisierungsfehler im Food-, Einzel- und Gro\u00dfhandel \u2013 und warum sie so oft untersch\u00e4tzt werden"},"content":{"rendered":"<p>Viele Unternehmen wissen, dass sie digitalisieren m\u00fcssen. Und trotzdem scheitern genau diese Vorhaben immer wieder an den gleichen Punkten. Oft beginnt alles mit einer Excel Liste, die aus technischer Sicht eigentlich gar nicht existieren d\u00fcrfte.<\/p>\n<h2>Der \u201eheilige Gral\u201c in Excel<\/h2>\n<p>In fast jedem Unternehmen gibt es sie. Diese eine Excel Liste. Die Liste, die f\u00fcr die Steuerung des Unternehmens pl\u00f6tzlich unverzichtbar wird. Die Liste, in der Informationen zusammenlaufen, die im eigentlichen System \u2013 sei es ein \u00e4lteres Navision, ein gewachsenes Dynamics NAV oder auch ein moderneres Business Central \u2013 nicht vollst\u00e4ndig oder nicht in der ben\u00f6tigten Form verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Aus technischer Sicht ist das immer ein <strong>interessanter Moment<\/strong>. Denn wenn eine Excel Datei zur zentralen Datenquelle wird, ist das kein Zufall, sondern <strong>ein klares Signal.<\/strong> Ein Signal daf\u00fcr, dass im bestehenden System Daten entweder fehlen, nicht konsistent sind oder nicht so bereitgestellt werden, wie sie im Alltag gebraucht werden.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie sich gerade dabei ertappt haben zu denken \u201eJa, genau so ist es bei uns\u201c, dann sind Sie damit nicht allein.<\/em><\/p>\n<h2>Wenn Systeme nicht mehr das gesamte Bild liefern<\/h2>\n<p>In vielen F\u00e4llen entsteht diese Excel Logik nicht aus schlechter Planung, sondern aus der Realit\u00e4t. Systeme werden eingef\u00fchrt, Prozesse werden modelliert und mit der Zeit kommen neue Anforderungen hinzu. Diese werden oft pragmatisch gel\u00f6st. Ein zus\u00e4tzlicher Export hier, eine manuelle Erg\u00e4nzung dort. Gerade in gewachsenen Landschaften rund um Navision oder Dynamics NAV sehen wir das sehr h\u00e4ufig. \u00dcber Jahre hinweg entstehen Erweiterungen, Workarounds und zus\u00e4tzliche Datenlogiken.<\/p>\n<p>Technisch betrachtet entsteht dadurch <strong>eine zweite Datenebene au\u00dferhalb des eigentlichen ERP Systems<\/strong>. Das Problem dabei ist nicht die einzelne L\u00f6sung, sondern die Summe.<br \/>\nDenn sobald Daten au\u00dferhalb des Systems gef\u00fchrt werden, verliert das ERP \u2013 egal ob NAV oder Business Central \u2013 <strong>seine Rolle als \u201eSingle Source\u00a0of\u00a0Truth\u201c<\/strong>.<\/p>\n<h2>Medienbr\u00fcche als strukturelles Problem<\/h2>\n<p>An dieser Stelle entstehen zwangsl\u00e4ufig <strong>Medienbr\u00fcche<\/strong>. Ein Prozess beginnt im ERP System, wird aber nicht vollst\u00e4ndig dort abgeschlossen. Daten werden exportiert, transformiert und an anderer Stelle weiterverarbeitet. In vielen F\u00e4llen werden sie anschlie\u00dfend sogar wieder zur\u00fcck ins System \u00fcbertragen.\u00a0Gerade bei Integrationen rund um Business Central sehen wir h\u00e4ufig, dass Schnittstellen zwar technisch vorhanden sind, aber prozessual nicht konsequent genutzt werden.<\/p>\n<p>Aus technischer Sicht ist das eine klassische Entkopplung von Prozess und System.<br \/>\n<em>Kurzfristig funktioniert das. Langfristig f\u00fchrt es zu Inkonsistenzen, erh\u00f6htem Pflegeaufwand und einer steigenden Fehleranf\u00e4lligkeit.<\/em><\/p>\n<h2>Wenn Daten nicht synchron sind<\/h2>\n<p>Ein weiterer Punkt, den wir h\u00e4ufig sehen, ist das Thema <strong>Datenverf\u00fcgbarkeit<\/strong>. Gerade im Lebensmittelgro\u00dfhandel sind aktuelle Daten essenziell. Best\u00e4nde, Verf\u00fcgbarkeiten, Lieferzeiten oder Preislogiken m\u00fcssen m\u00f6glichst aktuell und konsistent sein. In fragmentierten Systemlandschaften ist genau das jedoch schwierig \u2013 selbst dann, wenn Business Central bereits als zentrales System vorgesehen ist.<\/p>\n<p>Daten liegen in unterschiedlichen Systemen, werden zeitversetzt synchronisiert oder manuell gepflegt. Das f\u00fchrt dazu, dass es nicht mehr \u201edie eine Wahrheit\u201c gibt, sondern <strong>mehrere<\/strong> Datenst\u00e4nde parallel existieren. F\u00fcr Reporting und Steuerung ist das ein erhebliches Problem.<\/p>\n<h2>Manuelle Prozesse als technische Schuld<\/h2>\n<p>Aus technischer Sicht sind manuelle Prozesse oft nichts anderes als <strong>technische Schulden<\/strong>. Sie entstehen, weil Systeme L\u00fccken haben oder Prozesse nicht vollst\u00e4ndig abgebildet sind. Menschen \u00fcbernehmen dann die Rolle der Integration. Das funktioniert \u2013 solange die Komplexit\u00e4t \u00fcberschaubar bleibt. Sobald Volumen und Anforderungen steigen, wird genau das zum Engpass. Und genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, ein System wie Business Central <em>nicht nur einzuf\u00fchren, sondern auch konsequent als f\u00fchrendes System zu nutzen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Ein Praxisbeispiel, das viele kennen d\u00fcrften<\/strong><\/p>\n<p>In einem aktuellen Projekt begleiten wir ein Unternehmen aus dem Lebensmittel-Onlinehandel. Die Systemlandschaft ist \u00fcber Jahre gewachsen. Ein Webshop, eine Integrationsplattform, ein abgek\u00fcndigtes ERP System, ein CRM, ein Customer Care System und ein separates Lagerverwaltungssystem. Viele dieser Strukturen stammen noch aus der Zeit von Navision bzw. Dynamics NAV und wurden \u00fcber Jahre weiterentwickelt. Aus technischer Sicht ist das zun\u00e4chst kein ungew\u00f6hnliches Setup.<\/p>\n<p>Die Herausforderung liegt in der Art, wie diese Systeme zusammenspielen. Daten werden zwischen Systemen \u00fcbertragen, teilweise transformiert und an mehreren Stellen gepflegt. Excel wird als zus\u00e4tzliche Ebene genutzt, um L\u00fccken zu schlie\u00dfen und Prozesse steuerbar zu halten. <em>Gerade im Reporting zeigt sich die Konsequenz: Daten sind vorhanden, aber nicht konsistent strukturiert. Je nach Quelle entstehen unterschiedliche Ergebnisse.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eWir wechseln einfach von links nach rechts\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In solchen Situationen kommt h\u00e4ufig der n\u00e4chste Schritt. Die Entscheidung f\u00e4llt auf ein neues System \u2013 oft Business Central. Und dann h\u00f6ren wir einen Satz, der sehr typisch ist: <em>\u201eWir wechseln einfach von Navision bzw. NAV auf Business Central. Das ist ja im Grunde das Gleiche, nur moderner.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aus technischer Sicht ist genau das <strong>ein kritischer Moment<\/strong>. Denn auch wenn die Systeme verwandt sind, bedeutet ein Wechsel nicht automatisch eine Verbesserung. <em>Wenn Prozesse, Datenstrukturen und Workarounds unver\u00e4ndert \u00fcbernommen werden, dann wird aus einem alten NAV System sehr schnell ein neues BC System \u2013 mit den gleichen Problemen.<\/em><\/p>\n<h2>Wenn sich die Probleme einfach mit verlagern<\/h2>\n<p>Genau hier liegt ein Risiko, das wir immer wieder beobachten. Ein bestehendes System wird durch ein neues ersetzt, ohne die zugrunde liegenden Prozesse wirklich zu ver\u00e4ndern. Die Folge ist, dass die bestehende Komplexit\u00e4t einfach in das neue System \u00fcbertragen wird. <em>Die Excel Liste verschwindet vielleicht \u2013 aber nur, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen.<\/em><\/p>\n<h2>Was moderne Technologien tats\u00e4chlich leisten k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>Gleichzeitig w\u00e4re es zu kurz gedacht, Digitalisierung nur auf Prozesse und Organisation zu reduzieren. Technologisch hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan und viele der\u00a0 beschriebenen Probleme lassen sich heute deutlich besser adressieren als noch vor einigen Jahren. Gerade in Systemlandschaften rund um Business Central sehen wir heute M\u00f6glichkeiten, die fr\u00fcher schlicht nicht vorhanden waren.<\/p>\n<p>Ein zentraler Hebel ist dabei die <strong>klare Systemarchitektur und saubere Integration<\/strong>. Anstatt Daten mehrfach zu pflegen oder \u00fcber Exporte und Excel zu bewegen, lassen sich Systeme heute \u00fcber APIs und Integrationsplattformen so anbinden, dass Daten in nahezu Echtzeit synchronisiert werden. Ein Auftrag aus dem Webshop wird direkt im ERP weiterverarbeitet, Lager und Logistik greifen darauf zu und Statusinformationen flie\u00dfen ohne Zeitverzug zur\u00fcck. Entscheidend ist dabei die klare Definition der <strong>Datenhoheit<\/strong>. Also festzulegen, welches System welche Verantwortung hat und wo Daten entstehen und gepflegt werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Baustein ist der <strong>Aufbau einer zentralen Datenbasis f\u00fcr Reporting<\/strong>. Anstatt Auswertungen aus verschiedenen Systemen zusammenzuf\u00fchren, werden Daten strukturiert in einer Datenplattform geb\u00fcndelt. Dadurch entsteht eine konsistente Sicht auf Kennzahlen und Entscheidungen k\u00f6nnen auf einer gemeinsamen Grundlage getroffen werden. Gerade in Kombination mit modernen BI L\u00f6sungen wird daraus ein echter Steuerungshebel.<\/p>\n<p>Auch im Bereich <strong>k\u00fcnstliche Intelligenz<\/strong> entstehen aktuell sehr konkrete Anwendungsf\u00e4lle. KI kann dabei unterst\u00fctzen, Daten automatisch zu klassifizieren, Dokumente zu verarbeiten, Eingaben zu validieren oder Prognosen zu verbessern. Auch im Kundenservice oder bei der Analyse gro\u00dfer Datenmengen lassen sich viele manuelle Schritte reduzieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die <strong>Automatisierung innerhalb des ERP Systems selbst<\/strong>. Business Central bietet heute viele M\u00f6glichkeiten, Workflows, Pr\u00fcfungen und Abl\u00e4ufe direkt im System abzubilden. Wenn diese konsequent genutzt werden, reduziert sich die Notwendigkeit f\u00fcr manuelle Eingriffe erheblich.<\/p>\n<p><em>Der entscheidende Punkt bleibt jedoch: Diese Technologien entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn die zugrunde liegenden Daten sauber strukturiert und Prozesse klar definiert sind.<\/em><br \/>\nOder technisch formuliert: <strong>Eine schlechte Datenbasis wird durch moderne Technologie nicht besser \u2013 sie wird nur schneller verarbeitet.<\/strong><\/p>\n<h2>Digitalisierung als Kombination aus Technik und Disziplin<\/h2>\n<p>Digitalisierung ist aus meiner Sicht immer eine Kombination aus <strong>technischer Architektur und organisatorischer Disziplin<\/strong>. Es geht nicht nur darum, ein System wie Business Central einzuf\u00fchren oder eine NAV Umgebung zu modernisieren, sondern auch darum, Prozesse klar zu definieren und konsequent umzusetzen. Dazu geh\u00f6rt auch, bestehende Workarounds zu hinterfragen und sich bewusst von L\u00f6sungen zu trennen, die zwar funktionieren, aber strukturell nicht tragf\u00e4hig sind. <em>Genau dieser Teil wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt.<\/em><\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Aus technischer Sicht ist die Ausgangsfrage oft nicht, welches System das richtige ist. <strong>Die eigentliche Frage ist, ob die zugrunde liegende Daten- und Prozesslogik \u00fcberhaupt sauber definiert ist.<\/strong> Denn solange zentrale Informationen au\u00dferhalb des Systems gef\u00fchrt werden, wird jedes neue System \u2013 egal ob NAV, Business Central oder ein anderes ERP \u2013 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die gleichen Probleme zeigen. <em>Oder anders gesagt: Solange die Excel Liste der \u201eheilige Gral\u201c bleibt, ist das eigentliche Problem noch nicht gel\u00f6st.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Unternehmen wissen, dass sie digitalisieren m\u00fcssen. 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